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Sachwalterschaft

Modellprojekt "Unterstützung zur Selbstbestimmung", Begleitforschung des IRKS 2015

Hemma Mayrhofer, Walter Hammerschick: Soziologische Begleitforschung und Evaluierung des Modellprojekts "Unterstützung zur Selbstbestimmung", Endbericht, Executive Summary. Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie (IRKS) (Hrsg.), Dezember 2015

Die Ergebnisse der begleitenden Evaluationsstudie des IRKS wurden 2016 als Open Access Publikation (e-book) veröffentlicht:

Walter Fuchs, Walter Hammerschick, Veronika Hofinger, Hemma Mayrhofer: Vom vertretenen zum unterstützten Rechtssubjekt. Begleitforschung zum Modellprojekt „Unterstützung zur Selbstbestimmung“ in Österreich.
Schriften zur Rechts- und Kriminalsoziologie Band 7 (Hrsg. Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie (IRKS) Wien), Berlin, LIT Verlag 2016

Sachwalterschaft, Clearing und Alternativen IRKS 2013

Walter Fuchs, Walter Hammerschick: Sachwalterschaft, Clearing und Alternativen zur Sachwalterschaft. Executive Summary. Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie (IRKS) im Auftrag des Bundesministeriums für Justiz (BMJ), Wien 2013

Forschungsberichte des IRKS zur Sachwalterschaft 2009

Abschlussbericht: Entwicklung von Kennzahlen für die gerichtliche Sachwalterrechtspraxis als Grundlage für die Abschätzung des Bedarfs an (Vereins)Sachwalterschaft, März 2009

Abschlussbericht: Auswirkungen des Sachwalterrechtsänderungsgesetzes (SWRÄG) 2006 unter Berücksichtigung der neueren Alternativen zur Sachwalterschaft auf die Betroffenen und ihr Umfeld, auf die Praxis der Gerichte und den Bedarf an Sachwalterschaft, März 2009

Datenlage zur Praxis der Sachwalterschaft: Es bestehen 2009 ca. 50.000 Sachwalterschaften in Österreich. Das IRKS rechnet mit einem jährlichen Wachstum von 20% bei den Neubestellungen bzw. mit einem Gesamtbestand von ca. 80.000 Sachwalterschaften per 2020.

Sachwalterschaft betrifft zu 75 % Menschen über 60 Jahre. Die Verteilung der Sachwalterschaften in Österreich ist weiterhin uneinheitlich. Abweichend von der Bevölkerungszahl sind regionale Höhen und Tiefen auffällig.

Bedarf an VereinssachwalterInnen

Durch eine RichterInnenbefragung wurde der Bedarf an VereinssachwalterInnen evaluiert: die Zahl der benötigten VereinssachwalterInnen wird als doppelt bis dreifach angegeben. Dreifach, unter Berücksichtigung der Zahl der Problemlagen, wo VereinssachwalterInnen von RichterInnen als notwendig erachtet werden. Doppelt, wenn zwar keine idealen, aber akzeptable Alternativen gefunden werden können. Für die Arbeitssituation an den Gerichten und die Kooperation von VertretungsNetz mit den RichterInnen ist daher der große Mangel an VereinssachwalterInnen eine dauernde Arbeitserschwernis.

Die ersten Auswirkungen der Beratung bei den Gerichten (Clearing) sind bereits statistisch nachweisbar. Die Studie enthält auch eine Erhebung der angeregten Sachwalterschaften.

Bei der Präsentation und der darauf folgenden Diskussion im BMJ wurde von Seiten der Forschung angemerkt, dass es im Clearing darauf ankommt die "richtigen Standorte" auszubauen. Als ein Indikator wurde ein überdurchschnittlicher Anfall von Anregungen erwähnt und von "Luxus" gesprochen, wenn Clearing an Gerichten mit geringem Anfall von Sachwalterschaftsanregungen angeboten wird. Die Ergebnisse dieser Studie werden beim weiteren Ausbau des Clearings eine wichtige Unterstützung bieten.

Weitere Information zur Ausgangslage und zum Ergebnis der Studien finden Sie auf der Homepage des IRKS.

SW-Verfahren in Österreich – Forschungsergebnisse 2003

Jahrelang konnte in den Statistiken beobachtet werden, dass die Anzahl der Sachwalterbestellungsverfahren seit Beginn der 90er Jahre rasant anstieg. Die genauen Ursachen waren durch fehlende Forschungsergebnisse unbekannt. Auch der Anstieg der Gesamtzahlen der bestellten Sachwalterschaften ist besorgniserregend. Im Zuge der Diskussion um eine Reform des Sachwalterrechtes hat das Justizministerium ein vom Jubiläumsfonds der Nationalbank finanziertes Forschungsprojekt beim Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie (IRKS) in Auftrag gegeben.

Das IRKS geht nach der Erhebung davon aus, dass die rund 8000 Verfahren in Österreich im Jahr 2001 fast durchwegs mit der Bestellung eines Sachwalters (ca. 7450) enden. Angeregt werden Verfahren zu zwei Drittel für Menschen, die das 60. Lebensjahr überschritten haben. Im Hintergrund dieser Anregungen sind wieder zu zwei Drittel verschiedene Institutionen (von der Betreuungseinrichtung bis hin zu Behörden) auszumachen. Die erhobenen Daten über persönliche Lebensumstände machen deutlich, dass Sachwalterschaft beginnt, sich zunehmend als begleitende Hilfe für SeniorInnen zu etablieren. Mehr als die Hälfte der Betroffenen wohnt zur Zeit der Verfahrenseinleitung in einer Institution. Die Anregungen auf Sachwalterschaft geschehen in zwei Drittel aller Fälle durch eine Institution. Psychische Erkrankung im engeren Sinn und geistige Behinderung treten bei den Anregungsgründen in den Hintergrund. Bei all diesen Entwicklungen sind die regionalen Unterschiede zum Teil beachtlich.

Im Detail:

  • Die Hauptgruppe jener Personen, für die ein Sachwalterverfahren angeregt wird, ist über 70 Jahre alt (37% der Verfahren werden für über 80-jährige Personen angeregt, 20% für die Altersgruppe zwischen 70 und 79 Jahren, rund 8% für die Altersgruppe zwischen 60 und 69 Jahren).
  • Zwei Drittel der Personen, für die ein Sachwalterschaftsverfahren eröffnet wird, sind über 60 Jahre alt, nur etwa ein Viertel (27%) ist jünger als 50! Dies zeigt einen unerwarteten Einsatz eines Instruments auf, das für psychisch kranke und geistig behinderte Personen im engeren Sinn gedacht war.
  • Zu zwei Drittel handelt es sich um alleinstehende Personen. Etwa 10% der Betroffenen haben keinen Kontakt zu Bezugspersonen. 60% aller Verfahrensbetroffenen sind Frauen.
  • Alter und Altersfolgen werden in 51 % als Anlass für die Verfahrensanregung genannt.
  • In einem Drittel aller Fälle sollen umfassende Handlungserfordernisse durch die Sachwalter gewährleistet werden: sowohl finanzielle Angelegenheiten als auch Fragen der rechtlichen Vertretung und der Betreuungssituation. Es entsteht der Eindruck, dass es sich um die Bewältigung von Lebensproblemen unter den Bedingungen knapper Mittel handelt, die nach Sachwalterschaft rufen lassen.
  • In fast der Hälfte aller angeregten Verfahren erfolgt die Bestellung eines Sachwalters für alle Angelegenheiten (dies entspricht 62 % aller Bestellungen), in einem Viertel der Fälle für einen Kreis von Angelegenheiten. 8% der Betroffenen sterben während des Verfahrens. In 18% werden die Verfahren ohne Bestellung eines Sachwalters eingestellt.
  • Die regionalen Unterschiede sind groß, und zu einem hohen Grad entsprechen sie dem allgemeinen demographischen Ungleichgewicht. Der höhere Anteil an Personen über 70 Jahre im Osten Österreichs bildet sich in den SW-Verfahren ab: Das Alter ist zu einem weit höheren Prozentsatz als im österreichischen Durchschnitt der auslösende Anlass.

Somit ist auch empirisch nachgewiesen, dass Sachwalterschaft von einer Maßnahme, die für psychische Krankheit im engeren Sinn und geistige Behinderung gedacht war, zu einer geworden ist, die primär für altersspezifisch erkrankte Personen zum Einsatz kommt.

Folien zum Vortrag der Forscher auf der Richtertagung 2003 in Salzburg 

Weitere Anfragen an: Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie

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