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Sachwalterschaft   |    Patientenanwaltschaft    |   Bewohnervertretung
Service

VertretungsNetz ist ein österreichischer Verein, der für Menschen tätig ist, die aufgrund einer psychischen oder intellektuellen Beeinträchtigung nicht selbst für ihre Rechte eintreten können. Ein wichtiges Anliegen dabei ist es uns, die Menschenwürde und Selbstbestimmung der Betroffenen zu wahren und ihre Lebensqualität zu verbessern. Wir treten für die Schaffung eines flächendeckenden psychosozialen Versorgungssystems ein.

Unsere MitarbeiterInnen verstehen sich als Anlaufstellen zu allen Fragen rund um die sensiblen Themen PatientInnenrechte, Freiheitsbeschränkung oder Zwang. Sie bieten kostenlose Beratung und Unterstützung für alle, die von Sachwalterschaft, von einer Unterbringung auf einer psychiatrischen Abteilung oder von einer Freiheitsbeschränkung in einem Alten-, Pflege- oder Behindertenheim oder in einem Krankenhaus betroffen sind. Auch Angehörige sowie MitarbeiterInnen von Einrichtungen im Gesundheits- und Sozialbereich können sich mit ihren Anliegen an uns wenden. 

Aktuelle Zahlen zum Verein finden sich im jeweiligen Jahresbericht.

Geschichte

Der ursprüngliche „Verein für Sachwalterschaft“ wurde 1980 auf Initiative des Justizministeriums gegründet, 1981 eröffnete er das erste Büro. Ausgangspunkt war die Psychiatriereform der 1970er Jahre. Die damit zusammenhängende Reform der Entmündigungsordnung 1984 ermöglichte eine zeitgemäße Unterstützung für Betroffene durch SachwalterInnen. Die 2008 in Kraft getretene UN-Deklaration über die Rechte von Menschen mit Behinderung prägt zusätzlich unsere Arbeit. Wir versuchen, bei allen unseren Vertretungsleistungen die Selbstbestimmung der Betroffenen in den Vordergrund zu stellen, zu achten und zu erhalten.

Seit 1991, als mit dem Unterbringungsgesetz (UbG) die Reform des Anhalterechts gelang, gibt es den zweiten Fachbereich von VertretungsNetz, die Patientenanwaltschaft, die in der Psychiatrie tätig ist. 2005 kam mit Inkrafttreten des Heimaufenthaltsgesetzes (HeimAufG) als dritter Aufgabenbereich die Bewohnervertretung dazu.

Seit 2007 treten diese drei Leistungsbereiche Sachwalterschaft, Patientenanwaltschaft und Bewohnervertretung unter dem Namen VertretungsNetz auf. Der Verein unterhält Büros in allen Bundesländern außer Vorarlberg und ist überparteilich, gemeinnützig und nicht auf Gewinn ausgerichtet. Das Bundesministerium für Justiz ermöglicht durch Förderungen unsere Arbeit.

Sachwalterschaft

Zum Sachwalter bestellt werden in Österreich meist nahestehende Personen, Angehörige von Rechtsberufen oder einer der vier anerkannten Sachwaltervereine. Rund 15 % der derzeit über 50.000 Personen, die eine/n SachwalterIn haben, werden von einem/r VereinssachwalterIn begleitet. Die VereinssachwalterInnen unterstützen Betroffene: z.B. beim Umgang mit Ämtern und Behörden, beim Abschluss von Verträgen, bei der Regelung der eigenen Finanzen oder bei der Sicherstellung einer angemessenen Wohnsituation. Bei allen ihren Tätigkeiten haben sie den Anspruch, gemäß UN-Behindertenrechtskonvention die Selbstbestimmung der betroffenen Person zu achten und zu erhalten. Seit einigen Jahren bietet VertretungsNetz auch „Clearing“ an. Hierbei suchen VereinssachwalterInnen im Vorfeld einer Sachwalterschaft nach Unterstützungsangeboten aus dem sozialen Umfeld von Betroffenen, um so den Entzug der Geschäftsfähigkeit zu verhindern. Aufgrund des großen Erfolgs wurde Clearing in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut und steht nun an allen Bezirksgerichten zur Verfügung.

Patientenanwaltschaft

PatientenanwältInnen vertreten Menschen, die zwangsweise in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden, im gerichtlichen Verfahren, in dem über die Zulässigkeit dieser „Unterbringung“ entschieden wird. Zu einer Unterbringung kommt es dann, wenn ein Mensch sich selbst oder andere aufgrund einer psychischen Erkrankung gefährdet und wenn es keine alternative Möglichkeit gibt, die Gefahr abzuwenden. Die PatientenanwältInnen treten für die Rechte und Anliegen der Untergebrachten ein und unterstützen sie gegenüber dem Krankenhaus. Dabei sind sie vom Krankenhaus unabhängig. Im Zuge der weiteren Dezentralisierung der stationären Psychiatrie stehen auch an den neuen dezentralen Orten PatientenanwältInnen zur Verfügung.

Bewohnervertretung

Menschen in Alten-, Pflege-, Behinderteneinrichtungen und Krankenanstalten gefährden manchmal bedingt durch psychische oder intellektuelle Beeinträchtigung sich selbst oder andere. Mit dem seit 2005 geltenden Heimaufenthaltsgesetz ist genau festgelegt, unter welchen Voraussetzungen bei diesen Bewohnern und Bewohnerinnen Freiheitsbeschränkungen vorgenommen werden dürfen. Einrichtungen sind verpflichtet, alle Freiheitsbeschränkungen an die Bewohnervertretung zu melden. Die BewohnervertreterInnen überprüfen und intervenieren dann situationsbezogen. Neben der Vertretung der Betroffenen ist es auch Ziel, die Dauer von Freiheitsbeschränkungen möglichst zu verkürzen sowie Alternativen zu finden. 

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